Grußwort von Oberbürgermeister Erik O. Schulz

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

ein ereignisreiches Jahr 2015 neigt sich dem Ende entgegen. Dies bietet mir die Gelegenheit, neben allen guten Wünschen zum bevorstehenden Weihnachtsfest und dem sich anschließenden Jahreswechsel noch einmal einen Blick zurück zu werfen auf einige markante Entwicklungen und Geschehnisse in unserer Stadt.

Wohl niemand von uns war überrascht, als am 11. Dezember die Gesellschaft für deutsche Sprache „Flüchtlinge“ zum Wort des Jahres 2015 ausgewählt hat. Denn spätestens seit dem 12. Februar beeinflusst der nicht abreißende Flüchtlingsstrom auch das Leben in Hagen auf vielfältigste Weise. An diesem Tag, Weiberfastnacht, ereilte mich am frühen Morgen der sprichwörtliche Hilferuf des damaligen Regierungspräsidenten Dr. Gerd Bollermann, der um die kurzfristige Bereitstellung einer Immobilie für die Unterbringung von 200 Menschen bat. Dank enormer Kraftanstrengungen gerade auch sehr vieler freiwilliger Helfer gelang es, in gut 24 Stunden die Regenbogenschule in Hohenlimburg in eine Notunterkunft umzuwandeln.

Was damals noch eine echte Ausnahmesituation darstellte, sollte sich in den nachfolgenden 10 Monaten bis heute hin zu einer zunehmenden Herausforderung entwickeln. Bis zum Jahresende werden sich etwa 3.000 Flüchtlinge in Hagen aufhalten. Und niemand von uns kann heute eine Prognose wagen, wo wir am Ende des Jahres 2016 stehen werden. Die anhaltende Flüchtlingskrise wird uns weiterhin in Atem halten. Und dabei geht es nicht allein darum, den Menschen, die zu uns kommen, ein Dach über dem Kopf geben. Es wird auch darum gehen, sie zunehmend mit unserer Sprache vertraut zu machen und ihnen eine Perspektive für ihr weiteres Leben in unserer Stadt zu geben.

Wir werden neue Kindergartenplätze und zusätzlichen Raum in unseren Schulen schaffen müssen, um gerade den Jüngsten gute Startchancen zu bieten. Und wir werden gemeinsame Anstrengungen mit der Wirtschaft unternehmen müssen, um den Flüchtlingen insgesamt absehbar Ausbildung und Beschäftigung zu bieten. All dies wird unsere Stadtgesellschaft in nächster Zukunft auf merkliche Weise beeinflussen. Gleichwohl bin ich mir sehr sicher, dass sich Hagen – wie bisher schon – auch im Angesicht künftiger Anforderungen einmal mehr als tolerante und weltoffene Stadt zeigen wird. Dabei gibt es für mich nicht den geringsten Zweifel, dass wir den Männern, Frauen und insbesondere den vielen Kindern und Jugendlichen, die wegen Krieg, Folter oder Verfolgung in ihrer Not und Verzweiflung ihre Heimat verlassen mussten, helfen. Das ist unsere unbedingte Verpflichtung!

Von der immensen Zahl der Flüchtlinge sind alle Behörden in Bund, Land und auch in unserer Stadt überrascht worden. Für eine derartig dramatische Entwicklung gibt es keine Pläne, die man einfach so aus einer Schreibtischschublade herausholen kann. Umso mehr muss man den Einsatzwillen und die scheinbar grenzenlose Bereitschaft der vielen hauptamtlichen Kräfte etwa in der Verwaltung, bei der Feuerwehr oder in den Hilfsorganisationen herausstellen, die beispielsweise bei der kurzfristigen Herrichtung von Notunterkünften oder bei der kontinuierlichen Versorgung der Menschen wahre Wunder vollbracht haben. Ihnen gilt mein ehrlicher und aufrichtiger Dank! Zugleich danke ich all den vielen Hagenerinnen und Hagenern herzlich, die sich auf einzigartige Weise ehrenamtlich für die Flüchtlinge einsetzen und auf ganz unterschiedliche Weise ihre Hilfe anbieten. Es bewegt mich zutiefst, Oberbürgermeister all dieser wunderbaren Menschen sein zu dürfen.

Neben der Bewältigung der zahlreichen Aufgaben rund um die Versorgung der Flüchtlinge, hat vor allem die Auseinandersetzung mit der dramatischen wirtschaftlichen Schieflage unseres regionalen Energieversorgers „Enervie“ viel Zeit und Kraft in Anspruch genommen und gerade auch der Politik im Jahreslauf wichtige und wegweisende Entscheidungen abverlangt. Mitte April entschied der Aufsichtsrat, den Vertrag mit dem bisherigen Vorstandssprecher Ivo Grünhagen aufzulösen. Im Anschluss wurde ein mehrjähriges Restrukturierungsprogramm entwickelt und mittlerweile auf den Weg gebracht. Zudem entschieden sich die Anteilseigner für die Bereitstellung eines Darlehns; allein die Stadt Hagen als größter Gesellschafter stellte dafür knapp 30 Millionen Euro zur Verfügung.

Am Ende dieses Jahres haben wir nach schmerzhaften Einschnitten auch wesentliche Fortschritte bei der Sanierung der „Enervie“ erzielt. Ich bin davon überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der Restrukturierung die „Enervie“ absehbar wieder in ein ruhigeres Fahrwasser bringt. Gibt dieses traditionsreiche Unternehmen doch auch weiterhin vielen Menschen – nicht nur in unserer Stadt – Arbeit und Lohn.

Neben der ernsten Sorge um die Mitarbeiter der „Enervie“, stellt der Ausfall der jährlichen Dividende des Unternehmens in Höhe von rund sieben Millionen Euro ein großes Problem für den städtischen Haushalt dar. War noch Anfang Februar der Haushaltssanierungsplan für das Jahr 2015 durch den Regierungspräsidenten genehmigt worden, eröffnet sich aktuell eine Finanzlücke allein für 2016 von rund 12,6 Millionen Euro. Selbst wenn es dem Kämmerer gelingen sollte, in Abstimmung mit dem Land den für 2016 eigentlich geforderten Haushaltsausgleich um ein Jahr zu verschieben, muss die Politik in den nächsten Wochen noch immer Konsolidierungs-maßnahmen von mehr als vier Millionen Euro beschließen. Und diese Maßnahmen werden einmal mehr für alle Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt spürbar sein.

Bei all diesen schwierigen Themen dürfen wir aber auch die vielen positiven Dinge nicht aus den Augen verlieren, die den Jahreslauf bestimmt haben. Zu einem sensationellen Erfolg wurde die Hundertwasser-Ausstellung „Lebenslinien“ für das traditionsreiche Osthaus-Museum. Mehr als 65.000 Besucherinnen und Besucher wurden von der Werkschau des bekannten österreichischen Künstlers und Umweltaktivisten angelockt. An insgesamt 100 Öffnungstagen nutzten Kunstfreunde aus fern und nah die Chance, in die farbenfrohe Hundertwasser-Welt einzutauchen. 880 Gruppen wurden dabei durch das Museum geführt, darunter 360 Schulklassen.

Mit kulturellen Highlights garniert waren auch die beiden großen Städtepartnerschaftsjubiläen, die Hagen in diesem Jahr begehen konnte. Im Juni gab es einen Festakt zum 50jährigen Bestehen der Partnerschaft mit der französischen Stadt Montlucon und Mitte November einen weiteren zum 30. Geburtstag der Beziehungen mit der russischen Stadt Smolensk. Und es gab zahlreiche weitere Jubiläen zu feiern: den 25. Geburtstag von Radio Hagen, das 40jährige Bestehen der FernUniversität, Deutschlands größter Hochschule; das Theodor-Heuss-Gymnasium wurde 50, die Volkssternwarte 60 Jahre alt, das Albrecht-Dürer-Gymnasium rundete zum 100. Bestehen und Hagens SPD blickte auf 150 Jahre zurück.

Grund kräftig zu feiern gab es selbstverständlich auch wieder im Bereich des Sports. Ende Mai gelang den Handballern des VfL Eintracht Hagen beim Relegationsturnier in Dresden der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Ende Juni wurde im Rahmen der Deutschen Jugend- und Junioren-Meisterschaft im Kanuslalom die für 1,3 Millionen Euro umgebaute Kanuslalomstrecke im Wildwasserpark Hohenlimburg ihrer Bestimmung übergeben. Und zum Jahresende machten die Faustballer wieder einmal international Furore: Olaf Machelett vom TSV Hagen 1860 wurde Ende November mit der deutschen Nationalmannschaft im argentinischen Villa General Belgrano nach einem 4:0 Finalerfolg über die Schweiz Weltmeister.

Gleich eine Reihe positiver Aspekte skizzierte auch die fortschreitende Stadtentwicklung im Jahr 2015. So übergab der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr Mitte März einen Bewilligungsbescheid über 500.000,- Euro an die Deutsche Bahn AG für die Sanierung der Gleise, Bahnsteige und Zugänge am Hagener Hauptbahnhof, der in den kommenden Jahren für insgesamt rund 32 Millionen Euro umgebaut und saniert werden wird. Ende April konnten wir dann mit einem symbolischen Spatenstich den Startschuss für den 15 Millionen Euro umfassenden zweiten Bauabschnitt der Bahnhofshinterfahrung geben. Im Vorfeld war eine monatelange Hängepartie um das sogenannte „Rosa Haus“ zu Ende gegangen, das dem Weiterbau des Straßenprojektes sprichwörtlich im Wege gestanden hatte. Erst nach der Zustimmung des Landgerichts für eine Zwangsräumung wurde das Haus freigezogen und konnte letztlich unter großer Medienbegleitung abgerissen werden.

Anfang Mai konnte die Firma Dörken in Vorhalle eine neue, 35 Millionen teure Spinnvlies-Produktion in Betrieb nehmen. Mit diesem größten Investment der Unternehmensgeschichte hat das Unternehmen zugleich ein beeindruckendes Bekenntnis zum Standort Hagen abgegeben. Mitte August wurde in Haßley der mehr als vier Millionen Euro teure Neubau des Feuerwehrgerätehauses Eilpe, Delstern, Eppenhausen und Holthausen seiner Bestimmung übergeben. Und in jeder Hinsicht erfreulich war natürlich auch die Entscheidung der Abellio Rail NRW, nicht nur die Unternehmenszentrale von Essen nach Hagen zu verlagern, sondern auch die Verwaltung des Instandsetzungswerks an der Eckeseyer Straße, wo seit 2008 Loks und Waggons überholt werden. Ende Juni konnte der neue Standort an der Körnerstraße feierlich mit vielen Gästen eingeweiht werden. Rechnet man das Kundencenter am Graf-von-Galen-Ring hinzu, verfügt Abellio in Hagen jetzt über drei Standorte.

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

schon diese wenigen Schlaglichter machen deutlich, dass das Leben in unserer Stadt im jetzt zu Ende gehenden Jahr 2015 einmal mehr von einer Vielzahl von wegweisenden Entwicklungen und Veränderungen geprägt war. Und der Blick auf die vor uns liegenden Herausforderungen lässt erahnen, dass dies 2016 nicht anders sein wird. Dabei tun wir meiner festen Überzeugung nach gut daran, mit Zuversicht und einer gehörigen Portion Optimismus in die Zukunft zu blicken. Denn als große Stadtgesellschaft haben wir beinahe unendliche Potentiale, die wir uns immer wieder bewusst machen müssen. Mit dem notwendigen Mut und getragen von echter Entschlossenheit können und werden wir so noch viel in unserer schönen Stadt bewegen können.

Ganz in diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein besinnliches Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Familien, Partnerinnen und Partnern, Freunde und Bekannten sowie einen schönen und stimmungsvollen Jahreswechsel. Gleichzeitig wünsche ich Ihnen und uns allen für das Jahr 2016 vor allem Frieden, Gesundheit und Wohlergehen.

Es grüßt Sie

Erik O. Schulz

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