Historiker Ralf Blank stellt neustes Buch vor

Der Historiker Dr. Ralf Blank stellt sein neues Buch „‚Hilflos steht man vor all dem Grauen.’ Tagebücher aus der Kriegs- und Nachkriegszeit 1943–1945“ am Donnerstag, 29. Oktober, um 14 Uhr in der Lounge im Osthaus Museum Hagen vor.

Von amtlichen Stellen geführte Tagebücher wie das Kriegstagebuch der Luftschutzleitung Hagen und private Aufzeichnungen wie das Tagebuch des Hagener Bürgers Richard Römer bilden erstrangige Quellen für die Stadt- und Regionalgeschichte. Im Vergleich und in der Gegenüberstellung dokumentieren sie einerseits die Erfahrungen ihrer Urheber, die im Fall des Kriegstagebuchs versuchten, eine dienstliche Professionalität zu bewahren. Auf der anderen Seite spiegeln vor allem private Tagebücher wie das von Richard Römer die Gedankenwelt, die Ängste und die Verzweiflung der Menschen angesichts von Krieg und Gewalt wider. Diese zwischen den Zeilen spürbare emotionale Ebene gehört ebenfalls zur Geschichtsschreibung.

Das Kriegstagebuch des Luftschutzortes Hagen dokumentiert minutiös die Ereignisse des Luftkriegs in Hagen und in der umliegenden Region. Es enthält zudem Anmerkungen und Kommentare, die trotz ihrer nüchternen Sprache den Schrecken des Krieges aufzeigen. Richard Römer war Betriebsobmann der Deutschen Arbeitsfront in den Hagener Stadtwerken, einem nationalsozialistischen Vorzeigebetrieb. Als Funktionär und Parteimitglied gehörte er zur „volksgemeinschaftlichen“ Elite.

Doch ganz im Gegensatz zu dieser Position enthält sein seit Sommer 1943 begonnenes Tagebuch deutliche Kritik am NS-Regime und den ergriffenen Kriegsmaßnahmen, den Krieg sah er lange vor seinem Ende als verloren an. Seine Tagebuchaufzeichnungen führte er bis Anfang 1948 weiter, sie sind auch ein wichtiges Dokument zur frühen Nachkriegszeit in Hagen.

Die Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs erfährt gegenwärtig eine Phase der Historisierung. Die Rolle der Zeitzeugen, deren Wahrnehmung aus quellenkritischen Gründen ohnehin hinterfragt werden muss, nehmen vermehrt zeitgenössische Aufzeichnungen wie Briefe, Notizen und Tagebücher ein. Sie sind in der Regel authentisch und ermöglichen oft einen nachprüfbaren Zugang zu historischen Ereignissen.

Das Buch „‚Hilflos steht man vor all dem Grauen.’ Tagebücher aus der Kriegs- und Nachkriegszeit 1943–1945“ erscheint im Klartext-Verlag Essen und ist für 22,95 € unter der ISBN 978-3-8375-1514-5 erhältlich

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