Lage gut – Erwartungen gedämpft

KONJUNKTURBERICHT HERBST 2015

(15. Oktober 2015) Die konjunkturelle Dynamik, die Anfang des Jahres 2015 die Wirtschaftslage im märkischen Südwestfalen geprägt hat, ist zum Frühherbst leider zurückgegangen. Die heimische Wirtshaft erwartet jetzt nur ein abgeschwächtes Wachstum. Nach einem guten ersten Halbjahr, für das die Betriebe die Geschäftslage zu 32 Prozent als gut und zu 54 Prozent als befriedigend bewerten, ist seit den Sommermonaten eine konjunkturelle Abkühlung spürbar, die die Erwartungen deutlich dämpft. Die Vielzahl internationaler Krisen hat die Verunsicherung der heimischen Wirtschaft erhöht. Denn das Auslandsgeschäft ist weiterhin eine wesentliche Stütze der heimischen Konjunktur. Die Exportumsätze sind seit Jahresbeginn mit 4,7 Prozent deutlich gestiegen, stärker als im Bund mit plus 3,5 Prozent und stärker als in NRW mit minus 0,5 Prozent. So fasste Harald Rutenbeck, Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), die aktuellen Ergebnisse der Herbstumfrage bei 205 Unternehmen mit 33.000 Beschäftigten zusammen.

Der Anteil derjenigen, die in den nächsten 12 Monaten eine schlechtere Geschäftsentwicklung erwarten, beträgt 28 Prozent gegenüber 13 Prozent im Januar, während nur 18 Prozent mit einer Verbesserung rechnen. Aufgrund der gedämpften Erwartungen fiel der IHK-Konjunkturklimaindex seit Jahresanfang um 20 Punkte auf jetzt 103 Punkte und liegt damit wieder auf dem Niveau von September 2014. SIHK-Präsident Rutenbeck: „Gleichwohl ist kein übertriebener Pessimismus angebracht. Niedrige Rohölpreise, ein schwacher Euro steigende Einkommen und ein starker Konsum in Deutschland und eine gute Konjunktur in den USA sind hervorragende Vorraussetzungen für gute Geschäfte in der Zukunft.“

Industrie: Aufträge und Produktion sinken

Der Industrieumsatz im SIHK-Bezirk stieg trotz des frühen Ferienbeginns um 0,8 Prozent auf fast 14,4 Milliarden Euro, während NRW bereits empfindliche Rückgänge von 2,2 Prozent verzeichnet. „Eigentlich bringt der beginnende Herbst den Industrieumsatz in Schwung“, so Rutenbeck, „aber das Gegenteil ist ab August diesen Jahres eingetreten, denn im Verlauf der Ferien und auch danach ist eine merkliche Beruhigung bei Auftragseingängen und Produktion eingetreten“. Das ist zurzeit noch keine dramatische Entwicklung, aber ausbleibende Anschluss- und Neuaufträge bereiten Sorgen, weshalb nur 30 Prozent der Industriebetrieb ihre aktuelle Geschäftslage als gut bezeichnen. Die geopolitischen Turbulenzen, die noch nicht bewältigten EU-Probleme, das Russland-Embargo und die Konjunkturflaute in China sowie die derzeit noch unübersehbaren Risiken aus den Dieselmotormanipulationen bei VW könnten negative Auswirkungen nicht nur für die in der Region stark vertretene Zulieferindustrie nach sich ziehen. Diese undurchsichtige Gemengelage hinterlässt bei den südwestfälischen Unternehmen Spuren der zunehmenden Verunsicherung: 29 Prozent gegenüber 9 Prozent von Januar 2015 rechnen mit schlechteren und insbesondere schwieriger werdenden Geschäften.

Bau erwartet nach flauen Geschäften eine Belebung

Am Bau hat die Geschäftslage im Jahresverlauf 2015 gelitten. Nur noch zwei Drittel der Betriebe bewerten die aktuelle Lage als gut oder befriedigend. Jetzt scheint die Flaute überwunden, und über die Hälfte der Baubetriebe rechnet bei noch anhaltender Neu-, Ausbau- und Modernisierungswelle mit einer Belebung bei dringend notwendigen Infrastrukturprojekten, bei Brückensanierungen und Breitbandausbau. Nicht zuletzt auch die notwendigen Bau- und Ausbaumaßnahmen zur Unterbringung der vielen Flüchtlinge sowie die Investitionen in die Energiewende wirken wie ein Konjunkturprogramm für die Bauwirtschaft.
Handel weiter optimistisch
Der Handel hatte zu Jahresbeginn hohe Erwartungen an das Jahr 2015, die sich im bisherigen Jahresverlauf „noch“ nicht erfüllt haben. Obwohl die Händler mit Qualität und Markenpflege, aber auch mit stark reduzierten Preisen bis Ende August ordentliche Umsatzzuwächse erzielen konnten, berichten nur drei von zehn Einzelhändlern von einer guten Lage; nur jeder 10. Betrieb meldet schlechte Geschäfte. Weiter niedrige Öl- und Energiepreise, niedrige Zinsen, geringe Preissteigerungen, eine stabile Beschäftigung mit hohen Einkommenszuwächsen und nicht zuletzt der Ausstattungsbedarf der Flüchtlinge werden für Umsätze im Einzelhandel sorgen, denn die Konsumneigung ist weiter hoch.

Dienstleister rechnen mit Beruhigung

Die Situation bei den Dienstleistern ist weiterhin positiv. Fast die Hälfte aller Befragten bewertet die aktuelle Lage als gut, auch wenn in den kommenden Monaten die überwiegende Mehrheit mit ruhigeren Geschäften rechnet. Während Verkehr und Lagerei bei den Energiepreisen eine Entlastung erfuhren, nahmen die Personalprobleme in der Transportbranche weiter zu. Das Kreditgewerbe schraubt seine Erwartungen deutlich zurück, denn je länger die Niedrigzinsphase anhält, desto geringer werden die möglichen Ertragspotenziale eingeschätzt.

Wirtschaft gerät in unruhiges Fahrwasser

Basis der konjunkturellen Entwicklung werden weiterhin das starke Auslandsgeschäft und die gute Binnennachfrage auf der Grundlage einer anhaltend guten Arbeitsmarktentwicklung mit spürbaren Einkommenssteigerungen bei zugleich sehr niedrigen Inflationsraten und niedrigen Energiepreisen sein. Die Umfrageergebnisse deuten laut SIHK-Präsident Rutenbeck aber auf ein Ende der wirtschaftlichen Dynamik in den nächsten Monaten und auf ein abgeschwächtes Wachstum in 2016 hin. Die Märkte werden politisch und wirtschaftlich kritischer, weitere Unruheherde auf der Welt verschärfen die Flüchtlingsproblematik, führen zu Verunsicherung, steigender Kaufzurückhaltung und zum Aufschub von Investitionen bei Industrie, Handel, Dienstleistung und Verbrauchern.
Gegenüber unserer Winter-Umfrage haben sich die geopolitischen Krisenherde nicht entschärft. Der Ukraine-Konflikt spielt zwar in den Medien keine große Rolle mehr, die Lage hat sich aber kaum verändert und die Auswirkungen der Russland-Sanktionen sind weiter spürbar. Syrien und weitere Regionen des Nahen Ostens drohen als Krisenherde zu einem Konflikt der Großmächte zu eskalieren. Ein Rettungspaket für Griechenland ist zwar geschnürt, aber eine Lösung der Schuldenmisere und Wachstumsprobleme in Italien und Frankreich ist nicht erkennbar. Hinzu kommen schwächere Zahlen aus den Schwellenländern und dabei insbesondere der chinesischen Wirtschaft. „Die zahlreichen globalen Krisenherde belasten zunehmend Exporte und Investitionstätigkeit, und machen verschlechterte Geschäftserwartungen der heimischen Unternehmen verständlich“, beschreibt Rutenbeck die aktuelle Situation.
Angesichts des weltwirtschaftlichen Umfeldes ist es wenig verwunderlich, dass die größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung aus Sicht der Unternehmen im märkischen Südwestfalen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (55 Prozent) und die Auslandsnachfrage (53) bleiben. Erst dann folgen sinkende Inlandsnachfrage (50) und mit Abstand wieder steigende Energie- und Rohstoffpreise (31), Arbeitskosten (31), Fachkräftemangel (21), Wechselkurse (20) und Finanzierung (9).

Auslandsgeschäft wird schwieriger

Das Auslandsgeschäft ist  eine wesentliche Stütze der regionalen Konjunktur. Die Vielzahl internationaler Krisenherde verunsichert zunehmend die bisher noch gut laufende deutsche Exportwirtschaft. Die Weltwirtschaft wächst, aber sie entwickelt sich zögerlicher und labiler als erwartet. „Wachstumsimpulse kommen gegenwärtig vor allem von den Vereinigten Staaten, während China ins Trudeln geraten ist“, so der SIHK-Präsident. Die Erholung im Euroraum kommt nur schwer voran. Europa, Nordamerika und China sind aber die Schlüsselmärkte für die südwestfälische Wirtschaft. Die Erwartungen an das Exportgeschäft sind daher erstmals seit Jahren im Saldo wieder leicht negativ: Nur noch knapp ein Fünftel aller Industriebetriebe rechnet mit weiter wachsenden Auslandsumsätzen, jedes vierte Unternehmen geht von schlechteren Exportgeschäften aus. „Die außenwirtschaftlichen Vorzeichen sind zwar schwieriger geworden, aber insbesondere in Europa, Nordamerika, China und Indien sieht die heimische Wirtschaft weiteres Potenzial“, so Rutenbeck.

Investitionsbereitschaft stagniert

„Investitionen sind ein Indiz dafür, dass Vertrauen in die Zukunft besteht. Ohne Optimismus gibt es daher keine oder nur geringe Investitionen“, betont Rutenbeck. Im Zuge der ruhigeren Geschäftsentwicklung blieb seit Jahresbeginn das Investitionsverhalten eher gedämpft und auf einem stagnierenden Niveau. Im Fokus stehen unverändert Ersatzbeschaffungen (66) und Rationalisierung (52) sowie mit gewissem Abstand Investitionen in neue Technik (35).

Arbeitsmarkt weiter in guter Verfassung

Die Arbeitslosigkeit im märkischen Südwestfalen ist im Jahresverlauf um 2,2 Prozent auf unter 30.000 Arbeitslose Ende September 2015 gesunken. Gleichzeitig hat sich der Aufbau der Beschäftigung in der Region weiter fortgesetzt.
Fast 70 Prozent aller befragten Unternehmen befürchten einen Engpass an Fachkräften durch die demografische Entwicklung. Um die Fachkräftelücke zu schließen, sieht Rutenbeck mittelfristig gute Chancen für die Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt. „Die stabile wirtschaftliche Lage, in der sich Deutschland befindet, ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass die Integration der Flüchtlinge gelingen kann. Dafür bedarf es weiterer Anstrengungen und eindeutiger, schneller Regelungen. Über Praktika und Einstiegsqualifizierungen können vor allem junge, motivierte Flüchtlinge an eine berufliche Ausbildung herangeführt werden und sich auf diesem Weg in unsere Gesellschaft integrieren“, so der SIHK-Präsident.

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