Ein Preuße und sein Jahrhundert

Bau des Bismarck-Turms auf dem Goldberg mit Hilfe von italienischen Baufacharbeitern, 1900. Fotografie von Paul Mende. Stadtarchiv Hagen

Vortrag und Talkrunde im Kunstquartier Hagen: Bismarck – Ein Preuße und sein Jahrhundert

Auch 200 Jahre nach seiner Geburt ist Otto von Bismarck eine hochgradig umstrittene, von Mythen umwobene Gestalt. Prof. Dr. Christoph Nonn von der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf schaut bei seinem Vortrag am Sonntag, 12. April, um 15 Uhr im Kunstquartier Hagen, Museumsplatz 1, hinter die Legenden und entdeckt einen Mann, dessen Zeit unserer heutigen verblüffend ähnlich ist. Kriegstreiber oder Friedenspolitiker, Modernisierungsverhinderer oder weißer Revolutionär, Nationalheld oder Dämon der Deutschen: Die Liste der Beinamen, die Bismarck gegeben worden sind, ist lang.

Doch der „Reichsgründer“ war weder ein Übermensch noch ein Monster. Er feierte spektakuläre Erfolge und erlebte die größten Pannen, er war ein jähzorniger Choleriker und ein liebevoller Ehemann, ein treuer Freund Wilhelms I. ebenso wie ein rücksichtsloser Vollblutpolitiker.

Aus solchen scheinbaren Widersprüchen setzt Christoph Nonn in seiner neu erschienen und von der Fachwelt hoch gelobten Biographie eine ganz andere Sicht auf den „Eisernen Kanzler“ jenseits der Mythen zusammen und zeichnet das Bild eines pragmatischen preußischen Konservativen. Dabei wird der Preuße Bismarck zum ersten Mal konsequent in die europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts eingeordnet, die durch wachsende internationale und globale Vernetzung geprägt war – wie unsere heutige Welt auch. Otto von Bismarck wird bei Nonn als Mensch und weniger als Held oder Dämon der Deutschen gesehen.

Bismarck und Hagen: Hoch über der Stadt steht als weithin sichtbares Wahrzeichen der 1901 eingeweihte Bismarckturm. Das Monument bildet in Hagen eine Linie mit dem Eugen-Richter-Turm und dem Kaiser-Friedrich-Turm als Teil des Hagener Premium-Wanderweges. Hier steht das Denkmal für den Reichskanzler neben einem Erinnerungsturm für einen seiner schärfsten Gegner im Reichstag für den Wahlkreis Hagen: Eugen Richter. Doch auch Georg von Vincke, der auf Haus Busch das Licht der Welt erblickte, und hier seine politischen Wurzeln und letztendlich auch sein Grab gefunden hatte, zählte zu den Bismarck-Gegnern. Am 27. März 1852 kam es sogar zu einem Pistolen-Duell zwischen Vincke und Bismarck – beide Kontrahenten überlebten den Ehrenstreit.

Doch Bismarck war auch in der Gesellschaft präsent. Das belegt nicht nur der Bismarckturm. Auch gab es in Hagen eigene Bismarckfeiern, es gab Bismarck-Stammtische, die obligatorische Bismarck-Straße und weitere Formen der Verehrung.

Nach seinem Vortrag stellt sich Prof. Dr. Christoph Nonn in einer kurzweiligen Talkrunde den Fragen der beiden Historiker Thomas Walter und Dr. Ralf Blank. Vor Ort wird es einen umfangreichen Büchertisch der Buchhandlung Thalia geben, bei dem sich interessierte Besucher mit der neuesten Bismarck-Literatur im Allgemeinen und mit der neuen Bismarck-Biographie von Prof. Dr. Nonn im Besonderen käuflich eindecken können. Der Autor steht anschließend zur Buchsignierung zur Verfügung.

Der Vortrag wird vom Karl-Ernst-Osthaus-Bund in Kooperation mit dem Fachbereich Kultur der Stadt Hagen veranstaltet. Es wird ein Eintritt von 5 Euro erhoben, der den kulturhistorischen Veranstaltungen des Fachbereichs Kultur zugutekommt. Eine Kartenreservierung (Vorverkauf an der Kasse des Kunstquartiers) ist sinnvoll, da im Auditorium aus Sicherheitsgründen nicht mehr als 140 Personen zugelassen sind.

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