Nahmer Bürger haben Angst vor einem Flüchtlings-Ghetto

Hohenlimburg. Wie viele Flüchtlinge sollen wo bei uns untergebracht werden. Wann werden Häuser oder gar Schulen von Asylbewerbern bezogen? Dass der Informationsbedarf der Nahmer Bürger riesen groß ist, dass zeigte sich am Dienstagabend auf einer Informationsveranstaltung der Hohenlimburger SPD im Restaurant Adler. Ratsfrau Ramona Timm-Bergs hatte nicht nur die Anwohner eingeladen, sondern auch die zuständige Sozialdezernentin Margarita Kaufmann und den stellvertretenden Bezirksbürgermeister Mark Krippner (SPD) in die Nahmer gebeten. Dort kursieren seit Wochen Gerüchte über die Herrichtung von Häusern in den unmittelbar beieinander liegenden Straßen Zum Schlossblick, Wilhelmstraße und Unternahmer Straße für Flüchtlinge, die der Stadt in immer größerer Zahl zugewiesen werden. Darüber hinaus hatte die Stadtverwaltung bereits in einer Vorlage für die Januarsitzung der Bezirksvertretung Hohenlimburg veröffentlicht, dass auch in der nahegelegenen Regenbogenschule 120 Flüchtlinge untergebracht werden könnten.

So wurde Dezernentin Margarita Kaufmann zunächst einmal von rund 100 wütenden aber auch sprachlosen Bürgern begrüßt, die nicht akzeptieren wollen, dass in Summe rund 260 Flüchtlinge in das kleine Wohngebiet am Fuße des Zimmerbergs „gepfercht“ werden sollen. „Wenn 44 Menschen in einem Haus mit sechs kleinen Wohnungen untergebracht werden sollen, dann ist das unmenschlich“, warf ein Anwohner der Dezernentin vor. Noch schlimmer sei aber eine Ghettoisierung der Nahmer. „Sicher müssen wir die Menschen aufnehmen, aber doch nicht so. Wir haben hier kaum Infrastruktur und schon gar keine Einkaufsmöglichkeiten. Jetzt sollen auf 900 Anwohner, die hier leben, 260 Flüchtlinge kommen. Das gibt Ärger“, äußerte ein weiterer Bürger seine Bedenken.

Auch die vielen Zahlen und Fakten, die die Flüchtlingsproblematik der Stadt verdeutlichen, konnten die Anwohner nicht beschwichtigen. Selbst die Aussage von Margarita Kaufmann, dass die Verwendung der Regenbogenschule erst noch geprüft werden müsse und eine Belegung in den kommenden acht Monaten garantiert nicht umgesetzt wird, konnte den Anwohnerzorn nicht bremsen. „Das sind doch nur taktische Spielchen. Für Sie steht doch schon fest, dass die Schule zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut wird“, wurde der Dezernentin vorgeworfen.

Mark Krippner SPD stellv. Bezirksbürgermeister
Mark Krippner
SPD stellv. Bezirksbürgermeister

Mark Krippner betonte, dass die Flüchtlinge in Hagen menschenwürdig untergebracht werden müssten. Eine so massive Ballung von Unterkünften, wie sie in der Nahmer von der Verwaltung geplant ist, sei aber auch mit der SPD nicht zu machen. „Wir sehen ja heute Abend hier, dass das Problem den Anwohnern unter den Nägeln brennt. Daher muss die Verwaltung eine weitere Informationsveranstaltung für die Bürger anbieten.“ Darüber hinaus forderte der SPD- Fraktionsvorsitzende dringend die Aufstockung des Betreuungspersonals für bestehende und neue Flüchtlingsunterkünfte ein.
Trotz aller Proteste gegen eine mögliche Ghettoisierung durch die vielen Unterkünfte auf engstem Raum gab es aber auch zahlreiche Bürger die Verständnis zeigten und Unterstützung und sogar direkte Hilfe anboten. Damit folgten sie der Aufforderung von Ramona Timm-Bergs, die Herzen für die Flüchtlinge zu öffnen: „Es war richtig, die Anwohner zu dieser Veranstaltung einzuladen. Nur wenn man miteinander spricht, kann man Ängste und Nöte verstehen, aber auch für Verständnis werben. In der Frage der Flüchtlingsunterbringung müssen wir mit den Bürgern weiterhin im Gespräch bleiben. Ich habe mich darüber gefreut, dass sich zum Schluss viele Anwohner, die den Flüchtlingen ehrenamtlich helfen wollen, mit Telefonnummer und Mailadresse in mein ausgelegtes Heft eingetragen haben. Das ist sicher ein guter Anfang“, so das Fazit der SPD-Ratsfrau.

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