Perfekter Hörgenuss mit dem Sinfonieorchester: Im Hintergrund gibt es jede Menge Arbeit

 

Unbemerkt vom musizieren Orchester lauschen Antje Haury und Jörn Raith hinter zwei hölzernen Bühnenelementen den Klängen von Geige, Klarinette und Kontrabass. Sie lächeln zufrieden, doch noch ist es nur die Abschlussprobe, die den Gehörgängen der Orchestermanagerin und des Hagener Stadthallen-Geschäftsführers schmeichelt. Am Abend jedoch wird das renommierte Sinfonieorchester auf die geschulten, verwöhnten Ohren des Stammpublikums treffen. Dann zählt jede Note.

Auch viele Abonnenten der Hagener Konzertreihe wissen nicht, wieviel Arbeit hinter dem hochkarätigen Klangereignis steckt. „Die Vorbereitungen zu den Sinfoniekonzerten in der Stadthalle beginnen in aller Regel eine Woche vorher“, berichtet Antje Haury, seit der Spielzeit 2012/13 als Orchesterdirektorin des Philharmonischen Orchesters Hagen tätig und – gemeinsam mit dem Generalmusikdirektor – für alle inhaltlich-programmatischen sowie für die budgetären Planungen zuständig. Darüber hinaus gehören die organisatorischen Abläufe des Orchesterbetriebs zu ihrem Aufgabengebiet.

Geprobt wird zunächst im Sinfonium der Stadthalle, in dem bis zu 100 Akteure Platz finden. Dies ist zum Beispiel bei Kooperationskonzerten der Fall, aber auch bei Projekten wie Synfonic Floyd, das mit Kinderchor, Opernchor und der Band Green realisiert wurde. „Hier stimmen alle Rahmenbedingungen, was zum Beispiel Arbeitssicherheit, Akustik und Beleuchtungsmöglichkeiten angeht“, so die Orchesterdirektorin, die das Konzert mit zehn weiteren Mitstreitern plant – vom Notenwart bis zum Generalmusikdirektor. „In der Stadthalle sind weitere 20 Mitarbeiter an der Durchführung beteiligt“, ergänzt Jörn Raith.

Wichtigster Partner für Antje Haury sind die drei Orchesterwarte des Theaters Hagen, die für den Transport der Instrumente und des Equipments zuständig sind, aber auch den Aufbau der Bühne mit den Positionierungen für jeden Musiker planen. „Das sind künstlerische Logistiker, die etwa auch einen Lkw fahren können“, beschreibt die Orchesterdirektorin ihre vielseitigen Kollegen: „Interesse für den Konzertbetrieb, Verständnis für die Instrumente und technisches Geschick ist für diese Arbeit unerlässlich.“
Besonders die teuren Instrumente muss der Orchesterwart hüten wie seinen Augapfel – schließlich kosten einige davon fünf-, manche gar sechsstellige Summen. Heute ist Christian Daume Hüter für alles, was auf der Bühne gebraucht wird – vom Notenständer bis zur Harfe. Wobei Daume und seine Kollegen froh sind, dass sie den Flügel nicht zwischen Theater und Stadthalle hin- und hertransportieren müssen: In der Stadthalle gibt es einen „Steinway“, der natürlich höchsten Ansprüchen gerecht wird.

Der oberster Grundsatz für einen Orchesterwart lautet: Das Konzert MUSS stattfinden – egal was auch immer an Schwierigkeiten im Wege steht. Und so ranken sich vor allem um die auswärtigen Gastspiele des Synfonieorchesters einige Anekdoten. So musste man mitten auf einer Kreuzung sämtliche Instrumente von einem liegen gebliebenen Lkw in ein Ersatzfahrzeug umladen – begleitet von einem Hup-Konzert. Und als man für einen Auftritt in Schmallenberg ein Becken vergessen hatte, steuerte der Orchesterwart kurzerhand die Musikakademie Fredeburg an und beschwatzte die dort Verantwortlichen, den Hagener Musikern eines zu leihen. „Von solchen Nebengeräuschen darf der Konzertbesucher nichts merken“, ist der Anspruch von Antje Haury: „Die Leute haben einen Anspruch auf unsere beste Leistung.“

Und die bekommen sie – auch an diesem Dienstag, an dem das 7. Sinfoniekonzert der Saison 2018/19 auf dem Programm steht. Die Podestreihen sind perfekt kalkuliert, die Vorgespräche des Orchesterwart Christian Daume mit dem 26-jährigen Gastdirigenten Alexander Prior, der als Dirigent und Komponist in Europa und den USA große Erfolge feiert und derzeit Chef des Edmonton Symphony Orchestra in Kanada ist, führen zu einem gelungenen künstlerischen Ergebnis.

Es sind eher weniger vertraute Klänge aus Skandinavien, die dem Publikum heute begegnen. Der junge, israelische Flötist Elya Levin, seit 2014 Stipendiat des Deutschen Musikwettbewerbs, beweist seine außerordentliche Musikalität und Virtuosität im Flötenkonzert von Carl Nielsen. Alexander Prior treibt seine Musiker bei der Sinfonie Nr. 4 Løvfald von Rued Langgaard, einem der bedeutendsten, aber vergessenen Komponisten Dänemarks, mit großem körperlichen Einsatz zu Höchstleistungen. Ähnlich wie Langgaard fing Jean Sibelius die raue Schönheit des Nordens in seiner ersten Sinfonie ein – es ist der Höhepunkt eines Konzerts, das vielen Besuchern in der Stadthalle neue, nicht unbedingt leichte Kost bietet. Entsprechend fällt der Applaus lang und wohlwollend, aber nicht frenetisch aus. Das Hagener Publikum weiß Mut und Können stets zu schätzen, ist aber auch stets authentisch. Zwischen Lohengrin und Fidelio darf es gern auch mal Ungewohntes sein…

 

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