Jürgen von der Lippe: Meister der Zote witzelte mal gemütlich, mal betulich

 

Der Grat zwischen gemütlich und betulich ist ein schmaler, und vielleicht liegt es auch am immer rasanter werdenden Lebenstempo, das uns mehr und mehr mitreißt: Das neue Jürgen von der Lippe-Programm wirkte bei seinem Gastspiel im Rahmen der „Voll-Fett-Tour“  vor wenigen Tagen in der ausverkauften Hagener Stadthalle nicht frei von Längen. Der Meister der Entschleunigung ist allerdings auch mit 70 Jahren noch immer ein charmanter Plauderer, der sein Publikum zwei Stunden lang mit Witzen und humorvollen Erzählungen zu unterhalten weiß. Entsprechend begeistert, wenn auch nicht entfesselt, fiel am Ende der Applaus aus.

Von der Lippe, hoch gebildet und doch Meister der Zote, überraschte zunächst als Filmvorführer seines eigenen Youtube-Kinos, in dem er zu Beginn freizügige Tierfilme präsentierte und kommentierte, um vor allem die Herzen des weiblichen Publikums zu gewinnen. Bei Internet-affinen Besuchern kamen solche Programmteile jedoch nicht ausnahmslos gut an – „Videos kann ich auch zu Hause schauen“, kritisierten mehrere Gäste. Deutlich lustiger fiel dann das Wechselspiel mit dem Publikum aus, als es galt, abseitige Begriffe der Jugendsprache in verständliches Deutsch zu übersetzen. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass es sich bei einer Biotonne mit Knieschonern um eine dicke Frau mit hängenden Brüsten handelt?

Wie bei von der Lippe oft üblich, spielten sich weite Strecken des Programms unter der Gürtellinie ab. So hätten Statistiker herausgefunden, dass 17 Prozent der deutschen Männer gerne mal mit Sahra Wagenknecht intim werden möchten: „Das ist mehr, als sie wählen würden. Bei Angela Merkel ist es übrigens umgekehrt.“ Auch ein Wiedersehen mit Kalle, dem Berliner Rocker mit dem Berliner Zungenschlag gab es, der diesmal Flugabenteuer zum Besten gab. Einen stabilen Magen musste man schon haben bei der Erzählung, in der der Kuttenträger grüne Smoothies aus der Brechtüte löffelt und auf diese Weise sogar Stewardessen in die Ohnmacht treibt. Als der einstige „Blattschuss-Bruder“ hingegen zum Rudelsingen einlud und als Höhepunkt seinen Hit „Guten Morgen, liebe sorgen“ mit dem Publikum trällerte, herrschte allgemeine Fröhlichkeit.

Natürlich ließ man Jürgen von der Lippe nicht ohne Zugaben von der Bühne, und da schlüpfte der Meister einmal mehr in die Haut der von ihm gern parodierten Sänger Peter Maffay, Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg. Da waren dann auch die aus dem Häuschen, die zuvor zu dem Schluss gekommen waren, dass der Altstar schon einmal besser war. Für einen schönen Abend reicht es bei Jürgen von der Lippe dennoch immer – so auch in Hagen!

 

 

 

 

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