Nicht alle „Liebesperlen“ glänzten in Webergs amüsantem Schloss-Programm

 

„Liebesperlen“ hat Dario Weberg sein eigens für die Schloss-Spiele zusammengestelltes Programm genannt, das am Dienstag 100 Besucher sehr gut unterhielt, ohne restlos zu begeistern. Denn an den künstlerischen Leiter der Spiele, der zu Beginn freimütig den fehlenden roten Faden seines Specials einräumte, stellt der Besucher ob Webergs oft erlebter Klasse eben ganz besondere Ansprüche. Und so erschien manchem Kulturfreund die Mischung aus diversen literarisch-musikalischen Themenabenden des Meisters wie eine Ratatouille mit vielen wohlschmeckenden Zutaten, aber ohne überzeugendes Rezept.

Im musikalischen Bereich dominierte Sinatra, und das war gut so. Hier setzte Dario Weberg, der stimmlich natürlich nicht an „The Voice“ heranreicht, dafür aber wie das große Vorbild viel Wirkung mit Charisma und Habitus erzeugt, ganz auf bekannte Klassiker: „Come fly with me“, „Fly me to the moon“, „New York, New York“ und viele andere Hits des einstigen US-Stars gingen prima ins Ohr und wehten einen Hauch von Weltflair in den Schlossgarten. Der „Märchenprinz“ der Ersten Allgemeinen Verunsicherung sorgte hingegen einfach für gute Stimmung in den Reihen. Nicht funktionieren konnte dagegen die Reminiszenz an Johnny Cash; dazu ist Weberg einfach zu weit weg vom markanten Bassbariton des Vorbilds, und den Titel „Me and Bobby McGee“ hat man ohnehin eher in der Janis-Joplin-Version im Ohr. Schmerzlich vermissten Weberg-Fans hingegen Titel von Cat Stevens, die der Publikumsliebling einst bei „Harold and Maude“ so großartig intonierte.

Zwischen den musikalischen Liebesperlen durfte oft herzhaft gelacht werden. Meisterlich parodierte Dario Weberg etwa Heinz Erhardt – fast schien es, als sei Weberg dem großen Meister des Wortspiels ähnlicher als das Original selbst, wenn er etwa erklärte, warum die Zitronen sauer wurden. Tucholsky, Ringelnatz, Valentin, aber auch Herbert Knebel und andere wurden von Dario Weberg ebenfalls gekonnt gewürdigt. Bestens kamen die skurrilen Grabsteininschriften vom Wiener Zentralfriedhof nach dem Motto „Hier liegen meine Gebeine, ich wollt, es wären deine“ an. Eher an die jüngsten Leistungen der Nationalmannschaft erinnerten dagegen die rezitierten Bonmots aus Fußballermündern. Dass Ente Lippens 1965 auf die Schiedsrichteransage „Ich verwarnen Ihnen“ mit „Ich danke Sie“ antwortete und dafür „Rot“ sah, dürfte sich mittlerweile ebenso herumgesprochen haben wie die von zahlreichen Zitaten geprägte Erkenntnis, nach der Lothar Matthäus vermutlich nicht als allergrößter Denker in die deutsche Geschichte eingehen wird.

Ein Bühnenprogramm mit Dario Weberg kann dennoch nie langweilig werden, da müsste sich der amüsante, nonchalante Plauderer dem Publikum schon schlafend präsentieren. Viel zu gern hängt man an seinen Lippen, auch wenn seine „Liebesperlen“ in sorgfältigerer Aufreihung und feinerer Polierung noch mehr Glanz ausgestrahlt hätten. So blieb es immerhin ein sehr gefälliger Abend.

 

 

 

Um Ihnen eine bessere Nutzung unserer Seite zu ermöglichen, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung dieser Website, stimmen Sie unseren Nutzungsbedingungen zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen