Amprion will Höchstspannungsleitung mitten durchs Wohngebiet bauen

Die Katze ist aus dem Sack! Die Firma Amprion, die in Hohenlimburg eine 380kv-Stromleitung bauen will, wird der Bezirksregierung Arnsberg den Bau auf der Bestandstrasse zur Genehmigung vorschlagen – eine Bestandstrasse, die mitten durch den stark bebauten Hohenlimburger Stadtteil Elsey führt. Rund 1.000 Einwohner sollen nach dieser Entscheidung in Zukunft in direkter Nähe zu einer Höchstspannungsleitung leben, die ohne das Vorhandensein der alten, bereits bestehenden Stromtrasse kaum genehmigungsfähig wäre.

Nicht zur Ausführung kommt der von der Bezirksvertretung Hohenlimburg und dem Hagener Stadtrat vorgeschlagene Bau einer Alternativtrasse  im Bereich Hohenlimburg-Reh (Nord). Dies teilte das Unternehmen Amprion am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz im Hagener Tagungshotel „Arcadeon“ mit.

Ausschlaggebend für die Wahl sei, so Claas Hammes (Amprion), die notwendige Rechtssicherheit, welche nur die Bestandstrasse biete. Nach Hammes‘ Darstellung ist die Errichtung neuer Stromleitungen auf Bestandstrassen kaum erfolgreich beklagbar, wie die geltende Rechtssprechung des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig belege. Dagegen stünden im Fall der Alternativtrasse hohe juristische Hürden, die vor allem auf Umweltschutzbelangen basieren. Dem Bau der Alternativtrasse würden circa 20 Hektar Wald zum Opfer fallen; 18 artenschutzrelevante Vogel- und Säugetierarten würden von der Maßnahme berührt, wie Christina Kramer vom Landesbüro der Naturschutzverbände NRW den Vertretern aus Politik, Verwaltung und Bürgerinitiativen am Mittwoch im Hohenlimburger Ratssaal ausführlich erläutert hatte.

Kritiker werfen Amprion allerdings vor, von Anfang an auf die Variante Bestandstrasse hingearbeitet zu haben, denn der Bau auf dem bereits vorhandenen Geländekorridor ist für das Unternehmen deutlich billiger. Mit den Grundstücksbesitzern im Bereich der Alternativtrasse war von Seiten der Firma Amprion auch gar nicht erst gesprochen worden. Rechtsdezernent Thomas Huyeng von der Stadt Hagen wird nun seine juristischen Experten auf das Thema ansetzen; außerdem ist davon auszugehen, dass die Bürgerinitiative „Hohenlimburg unter Höchstspannung“ um die selbst betroffene Anwältin Claudia Scholten alle rechtlichen Mittel ausschöpfen wird, um den Höchstspannungs-Leitungsbau durch das Wohngebiet doch noch zu verhindern. Sollte dies nicht gelingen, so dürfte die Baumaßnahme in circa drei Jahren beginnen.

Sehr verärgert über den Prozess der Entscheidungsfindung zeigte sich der Hohenlimburger Ratsherr Frank Schmidt (Bürger für Hohenlimburg): „Seit November 2016 haben 20 Sitzungen des Runden Tisches und des Arbeitskreises inklusive zweier Ortsbegehungen stattgefunden. Für mich war frühzeitig klar, dass Amprion die Untersuchung der beiden Trassenvarianten nicht mehr ergebnisoffen führt, sondern die weitaus kostengünstigere Bestandstrasse zur Antragstellung bringt.

Seit Monaten werden nun die Vertreter aus Politik, Verwaltung und Bürgerinitiativen von Amprion als Staffage instrumentalisiert, um ein sauberes, detailliertes Verfahren nachzuweisen, in dem jeder Stein umgedreht wurde. Dies soll es der Bürgerinitiative „Hohenlimburg unter Höchstspannung“ so schwer wie möglich machen, die Bestandstrasse vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erfolgreich zu beklagen. Es ist perfide, so mit den Hoffnungen von Menschen umzuspringen, die um ihr Lebensumfeld kämpfen. Ich mache aber keinen Hehl daraus, dass ich auch die Alternativtrasse mit der Vernichtung von 20 Hektar Wald für keine gute Lösung halte. Für Hohenlimburg müsste eine Erdverkabelung geprüft werden, doch das Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen (EnLAG) sieht dies nur an bundesweit sechs Orten vor, und Hohenlimburg ist hier leider nicht mit im Boot.

Ich würde mir wünschen, dass sich der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete René Röspel, der im Verfahren bislang kaum wahrnehmbar war, hier mehr für seinen Wahlkreis einsetzt. Wie schon im November 2017 angekündigt, werden wir als Bürger für Hohenlimburg nun ein Schreiben an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie richten, in dem wir uns für die Erdkabel-Variante stark machen. Große Erfolgsaussichten messe ich dem zwar nicht bei, aber wir wollen in dieser wichtigen Frage nichts unversucht lassen.“

 

 

 

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