Umjubelte Premiere: „Ein Käfig voller Narren“ trifft den Nerv des Schlossspiel-Publikums

 

Eine derart umjubelte Premiere haben die Schlossspiele selten erlebt: Mit „Ein Käfig voller Narren“ präsentierten der künstlerische Leiter der Spiele, Dario Weberg, und Indra Janorschke, die für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, ein Stück, dass vor allem dank der herausragenden Leistungen des Ensembles vom Publikum mit im Stehen entbotenen Ovationen gefeiert wurde.

„ToleranzLeben“ lautet das Leitmotiv der diesjährigen Schlossspiele, mit dem Dario Weberg ein Zeichen setzen möchte. Es bezieht sich auf unterschiedliche Kulturen, Religionen, Meinungen und Lebensentwürfen. „Ein Käfig voller Narren“, das Pionierstück von Jean Poiret um gleichgeschlechtliche Liebe und verlogene Moral, passt hervorragend in diesen Kontext und traf den Nerv der über 350 Besucher im Schlosshof.

Die zehn Darsteller des Schlossspiel-Ensembles, angeführt vom großartigen Dario Weberg, erzählten die Geschichte von Nachtclubbesitzer Georges (D. Weberg) und seinem Geliebten Albin (Lars Lienen), die seit über 20 Jahren ein Paar sind. Ein einziges Mal hat sich Georges zu einem Abenteuer mit einer Frau hinreißen lassen. Ergebnis dieser Liebesnacht ist Sohn Laurent (Jan Philip Keller), der nun heiraten möchte – ausgerechnet Muriel (Karolin Kersting), die aus einem stockkonservativen Elternhaus kommt. Natürlich sollen sich die Eltern im Vorfeld der Vermählung kennenlernen, und so heißt es für Georges, seinen frivolen Narrenkäfig hinter einer bürgerlichen Fassade zu verbergen, damit die Hochzeit nicht am Veto der Schwiegereltern (Michi Kleiber, Betty Stöbe) scheitert.

Nur mühsam gelingt das Versteckspiel, denn trotz aller Bemühungen bricht immer wieder die tuntige Affektiertheit vor allem von Albin, Mercedes (Roman Weber) und Faktotum Jakob (hinreißend gespielt von Simon Jakobi) durch, was den Abgeordneten Dieulafoi und seine Gattin mehr als stutzig macht. Für zusätzliche Verwirrung sorgt das Auftauchen von Simone (Ariane Raspe), der Mutter von Laurent, die angesichts der bevorstehenden Trauung den Weg aus Afrika in den Narrenkäfig geschafft hat. Als am Schluss der Journalist Zorba (Stefan Schroeder) die Anwesenheit des Politikerpaares Dieulafoi in dem freizügigen Etablissement aufzudecken droht, fallen alle spießbürgerlichen Schranken, und die eben noch sittlichen Moralapostel schlüpfen selbst in die grellbunten Fummel des Travestietheaters.

Indra Janorschke ist es mit ihrer Inszenierung gelungen, die Geschichte in ihrer Bearbeitung nicht in Charleys Tante-Klamauk abgleiten zu lassen. Zwischen allem Fummel-Humor werden immer wieder auch tiefgründige Aspekte hervorgehoben – etwa der Wunsch nach Akzeptanz und die Frage nach der eigenen Identität in einer Welt, in der zwischen Schein und Sein mitunter ein großer Unterschied besteht. Gerade in dieser Welt kann auch das Altern zu einer kleinen Tragodie werden.

Weitere Aufführungstermine: Samstag, 2. September, 20 Uhr; Sonntag, 3. September, 18 Uhr; Freitag, 8. September, 20 Uhr. Eintrittspreis: 18 Euro.

 

 

 

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