Auf dem langen Weg nach Hause und zu sich selbst

Erfolgsautor Jörn Klare las in der Reformierten Kirche seiner Heimatstadt

Seinen Bezug zur Heimat klären wollte in der Mitte seines Lebens Jörn Klare, ein Oeger Junge, der Hohenlimburg in der 80-er Jahren verließ, um die Welt zu entdecken.

Vor zwei Jahren schnürte der mittlerweile als Schriftsteller erfolgreiche Wahl-Berliner deshalb die Wanderstiefel und begab sich zu Fuß auf die 600 Kilometer lange Reise von seinem heutigen Wohnort nach Hohenlimburg. Herausgekommen ist dabei das Buch „Nach Hause gehen“, das den Heimatbegriff aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Gesprächspartner, denen Klare auf dem langen Weg begegnete, beleuchtet. Es war jedoch auch ein Weg zu sich selbst und seinen Wurzeln, den der 52-Jährige ganz bewusst mit der Beschwerlichkeit und Langsamkeit eines Fußmarsches auf sich nahm.

Nachdem Klare bereits im vergangenen Jahr bei den Schlossspielen rund 100 Besucher mit einer Lesung fesselte, zog es ihn diesmal in die Reformierte Kirche, um dort vorzutragen, wo der Name seines Großonkels ins Kirchenfenster eingelassen ist. Das Gotteshaus spielt auch in Klares Buch eine Rolle und wird darin genau dargestellt – und so reckten die etwa 50 Besucher denn auch die Hälse, um die Malereien, von denen Klare kündete, über ihren Köpfen wiederzufinden.

Nicht jede Ansicht des kleinen Hohenlimburg, das Jörn Klare längst zu eng geworden ist, stimmte ihn beim Wiedersehen froh. Was für seine Zuhörer ein schleichender Prozess gewesen ist, erschien Jörn Klare als eine erschreckende Gegenüberstellung zu seinen Erinnerungen – der Niedergang vieler Geschäfte, das verfallene Gymnasium (das mittlerweile einer Senioreneinrichtung Platz gemacht hat), die lieblose Stadtplanung im Bereich der neuen Brücke, all dies konnten die Zuhörer nachvollziehen, als sie es durch die die Augen eines heute fast Fremden noch einmal neu erblickten.

Wie vielfältig der Heimatbegriff sein kann, dem jeder, den Klare unterwegs befragt hat, seine ganz eigene Definition zuordnet, vermittelt „Nach Hause gehen“ wohltuend nachdenklich und unaufgehübscht. Das Buch ist nicht nur wärmender Lesestoff für jeden Hohenlimburger, sondern auch ein guter Begleiter für jene, die sich selbst zu erklären versuchen und dabei ihre Vergangenheit aufarbeiten.

Jörn Klare wurde am Ende mit viel verdientem Applaus für seine nachdenklich-einfühlsame Lesung belohnt, und es schloss sich noch eine angeregte Gesprächsrunde in der Reformierten Kirche an. Außerdem galt es für den früheren HSV-Wasserballer, eine Menge Bücher zu signieren, zumal so mancher Besucher den heute erfolgreichen Autor noch von früher kannte.

Die nächste Gelegenheit, dem Hohenlimburger im heimischen Raum zuzuhören, bietet sich anlässlich der Semester-Eröffnung der Hagener VHS am 14. September ab 19 Uhr in der Villa Post.

 

 

 

 

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