Festival weckte Begeisterung für das Theater: „Ich glooobs nich!“

Nicht zum Affen, sondern zu Schafen machten sich die Teilnehmer des Theater-Workshops, der beim 1. Hohenlimburger Theaterfestival im Werkhof Neulinge in die Kunst des Rollenspiels einführte. Nur ein Element eines erlebnisreichen Wochenendes, das Theaterfreunde und solche, die es werden wollten, im Hohenlimburger Kulturtempel an der Herrenstraße erwartete.

Guten Publikumszuspruch fanden vor allem die Abendveranstaltungen. „Zack in die Zukunft“, das vom „Theater Klamauk“ servierte, selbst geschriebene Stück aus dem modernen, postfaktischen Politikgeschäft, begeisterte zum Auftakt am Freitag einen fast voll besetzten Saal. Eine in jeder Hinsicht erfrischende Aufführung, die mit vielen Inszenierungsideen deutlich machte, dass die Welt des Schauspiels seit dem „Etappenhasen“ nicht stehen geblieben ist. Köstlich vor allem die Szene, als sich Donald Trump-Verschnitt Paul-Rainer Röttenkamp (Lukas Schaub) und seine Gegenkandidatin Maria Ursula Schieferbach (Rabea Körfer) bei der Eröffnung  des Mahatma-Gandhi-Krötentunnels gegenseitig im Versuch übertreffen, die Gunst von Öko-Aktivistin Wibke Knuff-Ückerseifer (Kira Körfer) zu erwerben. Natürlich gewinnt die Trump-Kopie – mit dreisten Lügen und einem beherzten Griff ans Gesäß der überspannten Weltverbesserin.

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Ein wenig unter dem strahlenden Sonnenschein, der doch viele potentielle Besucher erfolgreich zu Aktivitäten unter freiem Himmel einlud, litt das Programm am Samstagnachmittag. Kurzfristig wurde das Kinderschminken nach draußen verlegt und fand dort auch prompt Kundschaft, die sich das Aussehen von Tigern und Meerjungfrauen ins Gesicht zaubern ließ. Theaterpädagoge Roman Wissenbach schaffte es unterdessen, in der Katakombe neugierige Schauspielschüler um sich zu scharen, die zunächst in ungewöhnliche Rollen schlüpften, um dann an Hand von Stichwortzetteln kleine Szenen zu improvisieren. Dabei entstand immer wieder spontaner Humor. Einige wenige Dötze nutzten auch das Angebot, eine in der Katakombe von Frank Schmidt aufgebaute Carrerabahn zu nutzen, wobei sich besonders Samuel Köhler als begabter Nachwuchspilot hervortat.

 

Das „Theater Pfiffikus“ um Ralf Schlüter versammelte mit „Der kleine Prinz“ immerhin 30 Besucher im Werkhof-Saal, hätte mit der liebevollen Inszenierung des poetischen Klassikers aber eindeutig mehr Besucher verdient gehabt. Die fanden sich dann am Abend zum Gemeinschaftsstück „Currywurst mit Pommes“ ein, das von Darstellern der Theater Mummpitz, TuSch, Pfiffikus und Klamauk eingeübt worden war. Verschiedenste Reisegruppen hielten zur Zwischenmahlzeit an der von Penny (Nicole Köhler) betriebenen Autobahn-Pommesbude „Hansi-Bar“ und verrieten dabei, was sie von ihren Reisen erwarteten.

Was dann tatsächlich aus diesen Plänen wurde, zeigten die neuerlichen Rast-Stopps drei Wochen später: Vom Pärchentausch über Geschlechtergrenzen hinweg über die notorisch faulen Lehrerinnen auf Selbstverwirklichungskurs bis hin zu pokalhungrigen Fußballfans, die ordentlich verdroschen wurden, war alles dabei. Und dass die sonnenhungrigen Sachsen nicht in Italien, sondern in Spanien gelandet sind, war am Ende ebenso wenig  wichtig wie die Frage, ob der Sachsen-Papa (Ulf Griese) seiner Sachsen-Mama (Heike Himmel) nun Ketchup oder Senf auf die Bluse spritzt: Hauptsache bekleckert! Die Szene gehörte zu den Höhepunkten der Aufführung, denn den Protagonisten gelang der Ossie-Dialekt so hinreißend, dass man spontan Heike Himmel beipflichten musste: „Ich gloobs nich!“

Festival3

Auch wenn das Rahmenprogramm mehr Zuspruch verdient gehabt hätte, war es ein gelungenes 1. Hohenlimburger Theaterfestival, zumal sich die vier Ensembles nicht nur um das Programm, sondern auch um die komplette Bewirtung und Organisation gekümmert hatten. „Es ist gut, dass wir uns alle näher gekommen sind“, fand nicht nur Roman Wissenbach, dass weitere künftige Gemeinschaftsprojekte durchaus denkbar sind. Im Rahmen der Schlossspiele wird „Currywurst mit Pommes“ noch einmal aufgeführt – für alle, die sich den rasanten Theaterjux am Wochenende haben entgehen lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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