Bodo Wartke brillierte mit Wortwitz und Virtuosität: „Was, wenn doch?“

„Was, wenn doch?“ Der Name der neuen CD von Klavierkabarettist Bodo Wartke, gleichsam Titel seiner laufenden Tournee, kündet vom nimmermüden Bestreben des 39-Jährigen, sich seine Welt etwas anders zu gestalten als nach vorgegebenen Denkmustern. Schließlich gäbe es den Künstler Wartke ohne dieses Bestreben ja auch gar nicht – eigentlich war für den Sohn eines Ärzte-Ehepaars der Weg in eine Medizinerkarriere vorgezeichnet. Dazwischen kam das von den Eltern geschenkte Klavier – und der ganz eigene Kopf des gebürtigen Hamburgers, steter Quell hochintelligenter Ideen.

Erstmals in seiner Karriere gastierte der heute in Berlin-Kreuzberg lebende Klavier- und Wortvirtuose in der Hagener Stadthalle und freute sich, den Abend gemeinsam mit dem Publikum in seinem mitgebrachten, auf der Bühne aufgebauten Wohnzimmer verbringen zu dürfen. Mit einem meisterhaften Gespür für das richtige Timing konzentrierte sich Wartke zunächst auf die Songs seiner neuen CD, präsentierte sich seiner ebenso genialen musikalischen Partnerin Melanie Haupt in „Avec plaisir“ als Kavalier-Kavallerie, um gleich darauf den Blues zu tanzen und damit „einem horizontalen Verlangen vertikalen Ausdruck“ zu verleihen.

Bodo Wartke forderte sein Publikum, jonglierte mit Worten und Denkansätzen, gerade wenn es um alltägliche Themen wie die Liebe ging. Die bringt in seinen Liedern meist Enttäuschungen mit sich, und doch sind Songs wie „Kompromissbereit“, „Ménage à trois“, „Es reicht nicht“ oder „Das falsche Pferd“ stets auch von feinsinnigem Humor und ungebrochener Hoffnung getragen.

So richtig komisch wurde es dann, als sich Wartke an die Altäre des Bildungsbürgertums heranwagte und etwa Mozarts Zauberflöte mit neuem, zeitgemäßem Libretto versah. Papageno und Papagena machten in der Version des bereits seit 20 Jahren auf der Bühne präsenten Künstlers zwischenzeitlich auch Station bei Prince („Kiss“) und Queen („Bohemian Rhapsody“), ohne jemals Gefahr zu laufen, Grenzen zum Klamauk oder auch zur Respektlosigkeit gegenüber dem Original einzureißen.

Seinen Höhepunkt fand das Programm, als Bodo Wartke in die Rolle des Gottes einer beliebigen Glaubensrichtung schlüpfte und mit dem Lied „Nicht in meinem Namen“ die Gräueltaten religiöser Eiferer in punktgenauer Härte an den Pranger stellte. Da hielt es viele Zuhörer nicht mehr auf den Sitzen, brachte Wartke doch zum Ausdruck, was viele Menschen in Zeiten terroristischer Anschläge bewegt: Nichts anderes als Schwerverbrecher seien die Urheber mörderischer Gewalttaten, auch wenn sie unter dem Vorwand des Glaubens verübt werden. Donnernder Applaus dankte dem Musiker, der sich in der Zugabe auch noch gekonnt als Gangsterrapper versuchte und hoffentlich nicht zum letzten Mal seine Visitenkarte in der Hagener Stadthalle abgab.

 

 

 

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